Energieausweis - der Pass zum Haus

Wie viel Kraftstoff das eigene Auto verbraucht wissen die meisten, was das eigene Gebäude jedoch an Energie verbraucht, können nur wenige sagen.

Mehr als 70 Prozent des Energiebedarfs eines Gebäudes entfallen auf Heizung und Warmwasser. Das ist ein beträchtlicher Teil der Betriebskosten. Aber gerade bei den Heizkosten gibt es bei Gebäuden unterschiedlichen Typs teilweise gravierende Unterschiede: So verbraucht beispielsweise ein sogenanntes Passivhaus pro Quadratmeter und Jahr nur etwa 15 kWh an Heizenergie. Ein schlecht isolierter Altbau hingegen verbraucht bis zu 30-mal so viel. Um diese Unterschiede für potentielle Mieter oder Käufer von Immobilien sichtbar zu machen, wurde 2007 der Energieausweis eingeführt. Ähnlich dem EU-Energielabel findet sich auf dem Ausweis eine Effizienzskala, in der das jeweilige Gebäude, gemäß seiner Verbrauchswerte, eingeordnet wird. Die Klasse A+ steht für einen besonders niedrigen Energiebedarf von unter 30 kWh pro Quadratmeter/Jahr und die Klasse H für einen besonders hohen Verbrauch von mehr als 250 kWh pro Quadratmeter/Jahr.

Bedarfs- oder Verbrauchsausweis    

Grundsätzlich wird zwischen zwei Typen von Energieausweisen unterschieden: dem bedarfsorientierten- oder Bedarfsausweis und dem verbrauchsorientierten- oder Verbrauchsausweis. Die beiden Ausweise unterscheiden sich darin, wie die Energiekennwerte berechnet werden. Beim bedarfsorientierten Ausweis wird der Energiebedarf eines Gebäudes anhand seiner Bauweise berechnet. In die Kalkulation fließen beispielsweise Daten zur Qualität der Gebäudehülle und die Art der Heizanlage ein. Der bedarfsorientierte Ausweis gibt also Auskunft darüber, welche energetischen Eigenschaften ein Gebäude, ganz unabhängig vom individuellen Heizverhalten, besitzt.

Anders verhält es sich beim verbrauchsorientierten Ausweis. Hier wird das Gebäude an Hand der (lückenlosen) Verbrauchswerte für Heizenergie der letzten drei Jahre in eine Effizienzklasse eingeordnet. Dieser Ausweis spiegelt also eher das Heizverhalten der Bewohner wieder und gibt wenig Aufschluss über die energetischen Eigenschaften des Gebäudes.

Beide Ausweise sind nach der Ausstellung für 10 Jahre gültig, sofern am betreffenden Gebäude keine größeren Änderungen gemäß der Energieeinsparverordnung (EnEv) vorgenommen werden.

Wann muss ein Energieausweis ausgestellt werden?

Für Neubauten ist seit 2007 ein Energieausweis Pflicht. Gleiches gilt beim Verkauf oder der Vermietung von Immobilien. Hier muss der Eigentümer bereits in der Immobilienanzeige Art und Inhalt des Energieausweises angegeben.

Welcher Energieausweis wird benötigt?

Wie bereits erwähnt, muss seit 2007 für sämtliche Neubauten ein Energieausweis erstellt werden. Der Bauherr oder Eigentümer muss sicherstellen, dass er vom Planer oder Architekten einen Ausweis erhält. Da für ein neues Gebäude noch keine Verbrauchswerte vorliegen können, kommt hier ausschließlich der bedarfsorientierte Ausweis in Frage. Gleiches gilt, wenn ein Gebäude umfassend saniert und dabei in seinen energetischen Eigenschaften grundlegend verändert wird. Beim Verkauf oder der Neuvermietung von Immobilien muss ebenfalls ein Energieausweis vorgelegt werden, es sei denn es handelt sich um ein Baudenkmal. Seit der Novelle der EnEv vom Mai 2014 greift diese Pflicht schon bei der Immobilienanzeige.

Bei Wohngebäuden mit mehr als vier Wohneinheiten kann der Eigentümer frei entscheiden, welche Art Ausweis er erstellen lassen möchte. Bei Wohngebäuden mit bis zu vier Wohneinheiten entscheidet hingegen das Baualter beziehungsweise der energetische Gebäudezustand über die Wahlfreiheit. Ist der Bauantrag für das Gebäude nach dem 1. November 1977 gestellt worden, können Sie frei entscheiden. Ist das Gebäude älter, erfüllte aber bei Fertigstellung bereits die energetischen Standards der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 oder wurde durch Sanierungsmaßnahmen diesem Standard angepasst, so haben Sie ebenfalls die freie Wahl. Für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten, die nicht den energetischen Standard der ersten Wärmeschutzverordnung erfüllen darf hingegen nur der bedarfsorientierte Ausweis erstellt werden.

Ausgenommen von der Ausweispflicht sind Baudenkmäler und Gebäude mit einer Nutzfläche von bis zu 50 Quadratmetern.

Was geschieht wenn ich keinen, oder den falschen Energieausweis habe?

Immobilieneigentümer, die ihre Immobilie ganz oder teilweise verkaufen, vermieten, verpachten oder verleasen möchten, müssen schon in der Immobilienanzeige die Art und den Inhalt des zugehörigen Energieausweises angeben. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, beziehungsweise keinen (oder keinen passenden) Energieausweis vorweisen kann, dem drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 15.000 Euro. Auch wenn der Auftraggeber eines Energieausweises dem Aussteller falsche Daten als Berechnungsgrundlage liefert, wird dies mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 15.000 Euro geahndet.

Grafik zum Download

Quelle: www.intelligent-heizen.info

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